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Über das ganze Jahr hinweg zeigt das Jüdische Museum in Berlin die großangelegte Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ über die Entwicklung der Stadt Jerusalem seit der Römerzeit.

Die amerikanische Botschaft

Nun ist es also geschehen: Pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Gründung Israels (14. Mai 1948) hat der US-amerikanische Präsident Donald Trump die Amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegen lassen. Was bedeutet das für die Israelis und die Palästinenser und was für den Friedensprozess im Nahen Osten?

Es ist richtig, dass bereits im Jahre 1995 der amerikanische Kongress mehrheitlich die Verlegung der Botschaft nach Jerusalem und damit de facto die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel beschlossen hatte. Nur keiner der US-Präsidenten hat seitdem dieses Votum umgesetzt. Aus Angst, dass das sensible Gleichgewicht zwischen Palästinensern und Israel gefährdet werden könnte. Und dass dadurch neue Unruhen entstehen könnten, vielleicht sogar eine dritte Intifada.

Bill Clinton, George Bush jr. und Barack Obama hatten mit ihrer damaligen Einschätzung der Lage, das Votum des Kongresses noch nicht umzusetzen, nur zu Recht, wie wir heute sehen:
Kaum, dass die neue US-Botschaft gestern in Anwesenheit von Ivana Trump und dessen Ehemann Jared Kushner  eröffnet wurde, ist es auf Seiten der Palästinenser  zu den größten Unruhen seit vielen Jahren gekommen. Mehrere Tausend Palästinenser hatten sich im Gaza Streifen an der Grenze zu Israel zusammengefunden und griffen israelisches Militär mit Wurfgeschossen an. Und diese schossen mit scharfer Munition zurück. Bis zum Abend gab es bereits über 50 Tote und an die 2300 Verletzte.

Bei der zweiten Intifada im Jahre 2000, als der damalige Ministerpräsident Ariel Scharon zusammen mit einer 1ooo Mann großen Gefolgschaft den Tempelberg mit der Al Aqsa Moschee besuchte, war es ebenfalls zu solchen großen Aufstände gekommen. Denn der Tempelberg steht eigentlich unter der autonomen Verwaltung der Palästinenser. Deshalb war dieser Besuch damals als eine Provokation angesehen worden. Prompt war es in den nächsten Tagen zu gewaltätigen Ausschreitungen mit in der Folge mehreren Selbstmordattentaten gekommen, die letztlich 2003 zum Bau der 9 Meter hohen und 750 km langen Mauer zwischen den Gebieten der Palästinenser und Israel geführt haben.

Kampf der Religionen

Seit gut 3000 Jahren streiten sich drei Religionen um Jerusalem.

Laut der Bibel soll Jerusalem ca. 1000 v. Chr. von König David gegründet worden sein. Sein Sohn Salomo baute ihm zu Ehren den ersten Jerusalemer Tempel. Mit der Eroberung von Jerusalem durch die Babylonier wurde der erste Tempel im Jahre 586 v. Chr. zerstört. Kaum 70 Jahre später begannen die Juden mit einem zunächst bescheidenen Wiederaufbau. Der 2. Jerusalemer Tempel entstand. Unter dem jüdischen König Herodes (73 – 4 v. Chr.) wurde dieser Tempel zu einem der größten seiner Zeit ausgebaut. Doch bereits im Jahre 70 n. Chr. zerstörten die Römer diesen Tempel wieder und mit ihm die Stadt. Die Juden wurden daraufhin in die ganze Welt vertrieben. Es kam zur Diaspora.

Auch für die Christen ist Jerusalem ein heiliger Ort. Hier soll Jesus von Nazareth, nach dem Neuen Testament der Sohn Gottes, im Jahre 30 oder31 n.Chr. durch den römischen Stadthalter Pontius Pilatus zum Tode verurteilt und ans Kreuz geschlagen worden sein. Der christliche römische Kaiser Konstantin ließ im 4. Jahrhundert zu Ehren Jesus Christus die berühmte Grabeskirche in Jerusalem erbauen, heute noch wichtigster Wallfahrtsort der Christen. Im 11. Jahrhundert kamen die Kreuzritter aus Europa nach Kleinasien, um Jerusalem von der muslimischen Besatzung zu befreien und um Jerusalem wieder zur heiligen Stadt der Christen zu machen. Knapp 200 Jahre konnten sich die Christen halten, dann wurden auch sie wieder von den Moslems vertrieben.

Für die Muslime ist Jerusalem nach Mekka und Medina die wichtigste Stadt, da hier ihr Prophet Mohammed (*570 – † 632) laut der Überlieferung zum Himmel gefahren sei (allerdings ist er von dort auch wieder zurückgekommen, denn gestorben ist er später in Medina). Dieser Himmelsaufstieg vollzog sich auf dem Tempelberg. Dieser ist heute mit zwei bedeutenden muslimischen Bauten besetzt. Einmal der Felsendom, welcher der älteste Sakralbau des Islam ist und damit einer der wichtigsten Heiligtümer ihrer Religion. Er besteht aus einer riesigen goldenen Kuppel, 11 Meter hoch und 2o Meter im Durchmesser und gilt heute als das Wahrzeichen der Stadt. Er wurde von dem Kalifen Abdalmalik im Jahre 692 über einem offenen Felsen erbaut. Dieser Felsen wiederum gilt bei den Juden als Gründungsfels, auf dem die Welt erbaut wurde. Hier soll einst die Bundeslade mit den 10 Geboten gestanden haben. Und von hier ist auch Mohammed in den Himmel aufgestiegen. Der Bau wird aber nicht als Moschee genutzt, sondern stellt nur einen sakralen Schrein dar.

Der Tempelberg

Daneben steht auf dem Tempelberg die al-Aqsa-Moschee, die drittwichtigste des Islam nach denen in Mekka und Medina. Auch sie ist von dem Kalifen Abdalmalik erbaut worden, ca. 15 Jahre nach dem Felsendom.

Vorher stand hier der zweite Jüdische Tempel (Herodestempel), von dem heute nur noch die Westmauer, auch Klagemauer genannt, besteht. Dieses ca. 50 Meter lange Mauerstück diente früher zur Befestigung des Tempelberges, war also nicht Teil des Tempels selbst. Aber sie ist das einzige, was aus dieser Zeit noch von der Tempelanlage übriggeblieben ist. Deshalb gilt sie als wichtige religiöse Stätte des Judentums. In der Zeit zwischen dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 und dem Sechstagekrieg 1967 gehörte dieser Teil Jerusalems zum Westjordanland und war Juden nicht zugängig. Erst nach diesem Krieg, bei dem die Israelis auch Ostjerusalem einnehmen konnten, wurde die Klagemauer wieder für die Juden freigegeben.

Der Zeitpunkt der Ausstellung „Welcome to Jerusalem“ im Jüdischen Museum Berlin, der die heilige Stadt seit der Römerzeit mit Hilfe vieler Pläne, Kunstgegenständen und Modellen zeigt, könnte nicht besser gewählt sein. Wer also im Moment keine Möglichkeit hat sich Jerusalem persönlich anzusehen, der sollte in diese Ausstellung gehen.

Jerusalem ist eine Metropole, die nicht nur auf religiöser Ebene einzigartig ist. Der Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern aber wird wohl noch lange nicht verwirklicht werden können.

„Welcome to Jerusalem“
bis zum 30.04.2019
Jüdisches Museum Berlin
Lindenstrasse 9-14
10969 Berlin
täglich 10 – 20 Uhr

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