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Im Grünen leben, die eigenen Tomaten ernten und gleichzeitig den Arbeitsplatz, Kulturangebote und Verkehrsanbindung direkt vor der Tür haben? In der Stadt der Zukunft geht das, dort ist das Leben grün. Natur und Technologie werden dafür vereint, um die zunehmende Verdichtung von Städten, den Klimawandel (heiße Sommer und extreme Regenfälle) und die Luftverschmutzung zu kompensieren. Man gewinnt saubere Luft neben erneuerbaren Energien auch durch kreative Platzlösungen: mit Begrünung der Flachdächer und vertikaler Bepflanzungen an Häuserwänden. Dabei binden zum Beispiel Gräser und Moose Feinstaub und Kohlendioxid, das sie wiederum in Sauerstoff umwandeln. Und so kommen auch die Insekten und die Vögel wieder.

Frischluft in der Stadt: dank Vertikal- und Dach-Begrünungen

Im Sommer kühl – im Winter wird gedämmt. So verbessert die Pflanzenwelt auch das Mikroklima einer Metropole. Genauso der Anbau von Obst und Gemüse – statt Blumenbeeten- wirkt wie eine grüne Stadtlunge und taugt vor allem für die Selbstversorgung. Die (halbreife) Tomate kommt dann nicht mehr aus Spanien mit dem Flieger, sondern jeder kann das Gemeinschafts- Gemüse, die selbstgezogenen Früchte aus der Senkrechten pflücken oder vom ehemaligen Brachland, das gemeinsam nach dem Sharing-Prinzip beackert wird. Und erntet dazu noch Salatköpfe von den für die Bewässerung und den Düngebedarf Sensor gesteuerten Dachgärten. Dort wo auch Transport-Drohnen locker landen können- mit dem bestellten Saatgut. Lebensmittel selbst anbauen, genauso Regionales aus der Landwirtschaft und Saisonales vom Hofladen beziehen, das vermeidet schadstoffreiche Transporte. Dahinter steht ein preisund umweltbewusster Lokalismus der kurzen Wege, frische Lebensmittel garantiert. Nahrung aus der Nachbarschaft? Angesichts des knappen Stadtraumes hat man hier auch tatsächlich nur Luft nach oben- mit innovativen Vertikallösungen.

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Bio-Gemüse wächst in den Himmel, angebaut auf Hochhaus-Etagen

In digitalisierten Hochhausfarmen wird Gemüse über mehrere Stockwerke angebaut. Diese gar nicht „bodenständige“ Landwirtschaft wird bereits im bevölkerungsreichen Japan getestet: Statt in der Erde – guter Boden ist in der Tat knapp, 60 Prozent der Agrarlandschaft sind ausgelaugt – wachsen Pflanzen in einer Nährlösung. Temperatur, Feuchtigkeit und CO₂-Gehalt werden automatisch eingestellt, für die Photosynthese gibt es LED-Leuchten. Ohne Pestizide und vor allem ohne Winterpause kann bis zu neunmal pro Jahr geerntet werden. Im Angebot: Hochhaus-Biotomaten für Alle. Durch die Hochhausfarm-App sind die (vegetarischen und veganen) Restaurants der Stadt informiert über Reifegrad, Sorten und Preise der Gemüse. Die Bestellung bringt der programmierte Lastroboter, der dabei geschickt die E-Fahrräder, Fußgänger, selbstfahrende Taxis und Car-Sharing Vehikels umkurvt. Für ihn gibt die umweltfreundliche, begrünte Ampel gleich grünes Licht und er überquert die mit recyceltem Plastikmüll aus den Meeren beschichtete Straße – statt Asphalt. Wenig später kommt -unschlagbar frisch- die Tomatensuppe für die Gäste auf den Tisch, gegart von einem smarten Kochfeld.

Wenn jetzt noch Wasserpflanzen, nämlich Algen, die eine zehnfach höhere Biomasseproduktivität als Landpflanzen aufweisen, das Hochhaus energetisch bereichern, wird’s sattgrün. An den sonnenintensiven Außenfronten des Hochhauses wachsen dann Algen in Panelen, die bei der Photosynthese unter Zufuhr von CO₂ Methangas bilden, das ein Blockheizkraftwerk anfeuert. Für ein energiehungriges Rechenzentrum im Keller und für den Energiebedarf des gesamten Hochhauses. Natürlich wird bei der Verbrennung von Methan CO₂ produziert, das zurück zu den Algen gepumpt wird: Der Zyklus wiederholt und schließt sich. Von der aufsteigenden Abwärme des Rechenzentrums profitieren gleichermaßen die Algenzucht und der Gemüseanbau auf den oberen Etagen. Ein smarter Kreislauf aus Daten- und Biomasse, der klappen könnte. Ansonsten geht es wieder zurück zur Natur (und zu den Pflanzen) und dann erst zurück in die Zukunft.

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